Feel Safe Be Brave – Was ich aus diesem Buch mitgenommen habe
Ein Buch das PS greifbar macht, ohne es zu verkomplizieren. Für alle die noch am Anfang stehen und verstehen wollen warum Schweigen in Teams so teuer wird.
Danke und liebe Grüße gehen raus an meine tolle Kollegin und Trainerin Katja Groß, die mir dieses Buch empfohlen hat. Ich hätte es sonst wohl noch eine Weile übersehen.
Feel Safe Be Brave von Karisch Lauchel ist 2026 bei Haufe erschienen. Und gleich zu Beginn hat mich ein Satz der Autorin zur Wichtigkeit von PS erwischt, den ich seitdem nicht mehr loswerde:
„Und das ist bis heute meine wichtigste Erkenntnis, warum wir uns zwischenmenschliche Angst in Unternehmen wirklich nicht leisten können: Weil wir sonst nie erfahren, was vor sich geht."
Was ich mitgenommen habe
Die wahrgenommene PS auf Individualebene bewegt sich auf einem Spektrum und kann sich schnell verändern. Nicht nur zwischen Teams, sondern innerhalb eines einzigen Gesprächs. Das macht Mikromomente so entscheidend: ein Satz, eine Reaktion, ein Blick kann ausreichen um jemanden zurückzuziehen oder zu öffnen.
Das Buch arbeitet mit dem Vier-Stufen-Modell von Timothy Clark und erklärt es so zugänglich, dass es auch für Menschen ohne Vorwissen greifbar wird.
Was mich besonders beschäftigt hat ist das Thema Führungsverantwortung und Overfunctioning. Wie Führungskräfte durch zu viel Kontrolle unbewusst Räume schließen, die eigentlich offen bleiben sollten. Ein Spannungsfeld das mir in meiner Arbeit als Trainer oft begegnet.
Zum Thema Fake-Harmonie verwendet die Autorin den Begriff ruinöse Empathie. Und eine Metapher die ich klasse finde: Es ist wie das Übermalen einer schimmligen Wand mit weißer Farbe. Wir schweigen nicht weil uns nichts stört, sondern weil wir niemanden verletzen wollen. Oder weil wir gelernt haben, dass Schweigen sicherer ist.
„Noch niemand wurde wegen seines Schweigens gefeuert."
Und warum sichere Teams auf der Sachebene streiten können ohne die Beziehung zu beschädigen bringt dieses Zitat auf den Punkt:
„Psychologisch sichere Teams tragen Konflikte nicht auf Kosten der Personen aus, sondern für ein Thema. Sie trennen zwischen Beziehungskonflikten und Aufgabenkonflikten."
Kleine Kritikpunkte
Die Praxisbeispiele wirken an einigen Stellen gestellt. Das Muster ist oft dasselbe: Jemand macht etwas, PS entsteht, alles gut. Hier hätte ich mir weniger aber dafür diversere und aussagekräftigere Beispiele gewünscht.
Und bei den konkreten Methoden — zum Beispiel dem Format rund um Elefant, Fisch und Kotze — fehlen leider Details zur Moderation. Viele Anregungen, aber wie man diese Methode konkret facilitiert, ob anonym oder öffentlich, in Schritten oder gemeinsam, das muss man selbst herausfinden.
Wem ich es empfehle
Menschen, die sich gerade anfangen mit psychologischer Sicherheit zu beschäftigen und die Wichtigkeit noch nicht konkret greifen können. Was sind die Momente? Was sind die Folgen von wenig Sicherheit?
Für diese Menschen ist das Buch ein guter, zugänglicher Einstieg. Wer bereits tiefer im Thema ist wird trotzdem 2–3 coole Methoden und Formate finden. Und wenn nicht das, dann mindestens ein paar knackige Zitate, die die Wichtigkeit von PS auf den Punkt bringen.
Karisch Lauchel: Feel Safe Be Brave. Haufe, 2026.
Moritz ist Trainer für Feedback und psychologische Sicherheit — er arbeitet mit Teams in KMUs und NGOs an einer Kommunikationskultur, die wirklich trägt.